Ich habe einen Fehler gemacht. Eine Fehleinschätzung aus Überheblichkeit. Gleich zwei Vorurteile schlugen so vollständig durch, dass ich erst nach vielen Jahren merke, dass ich mich täusche. Und wie!
Das erste Vorurteil war, dass ich jemanden aus Altersgründen die Kompetenz nicht zugestand, die sie hatte. Zu jung, um kompetent zu sein. Am liebsten würde ich jetzt an dieser Stelle dreimal hintereinander schreiben: So bin ich sonst nicht.
War ich aber. Und weil ich das nicht wahrhaben wollte, hat es so lange gedauert, bis mir mein Fehler bewusst wurde.
Das zweite Vorurteil bestand darin, dass ich glaubte, ich wüsste ganz genau, worin die von anderen zugeschriebene Kompetenz besteht. Ich hatte eine klare Vorstellung davon, auf welchem Qualitätslevel sich diese Kompetenz bewegt und das war mir nicht hoch genug. Zu diesem Urteil kam ich ohne Überprüfung. Ich wusste es einfach.
Meine Überheblichkeit hat mich also von zwei Seiten so eingekeilt, dass sie ziemlich fest saß. Das macht mich irgendwie fassungslos, aber ich muss auch ein bisschen über mich selbst lachen. Klassischer kann eine nicht in der Vorurteilsfalle sitzen.
Aber zum guten Schluss, kann ich mir anrechnen, dass ich es jetzt nach Jahren der Fehleinschätzung selbst gemerkt habe, was für seltsame Schlüsse ich da gezogen habe.
Eine Warnung an mein Zukunfts-Ich. Ab und zu mal auf Überheblichkeit prüfen, kann nicht schaden.
Das Internet ist ja immer noch ein Ort an dem sich Menschen so richtig einbringen können. Sie stecken dann Zeit und Energie in einem unvorstellbaren Umfang in Lösungen von Problemen und manche sind so freundlich und teilen ihre Lösungen. Wie ihr ja wisst, bestehen die sogenannten Epstein Files aus Millionen von Dokumenten. Emails, Fotos, Videos, Protokolle und Gerichtsakten. Unfassbar viel Material, das als Beweismittel den Strafverfahren gegen Jeffrey Epstein und seine Komplizen gesammelt wurden. Dieses Material liegt sehr unstrukturiert vor und es wird eine Ewigkeit dauern, bis sich die Profis da durch gekämpft haben.
Bald steht eine weite Reise an. Die längste Zugreise meines Lebens. Die erste auch im Schlafwagen, denn bisher bin ich immer nur in den Liegewagen gereist. Dreißig Stunden wird die Reise dauern, wenn alles nach Plan läuft. Eine Überfahrt mit der Fähre ist auch dabei. Vor vierzig Jahren hatte ich schon einmal eine Überfahrt mit dem Zug auf der Fähre, damals in die andere Richtung. Da fuhr ich mit dem Nachtzug nach Kopenhagen. Daran habe ich nur noch sehr blaße Erinnerungen.
Es sind noch ein paar Wochen, bis es losgeht und bis dahin muss die Proviant- und die Gepäckfrage gelöst sein. Was nehme ich mit auf die Reise? Was brauche ich unbedingt und darf es auf keinen Fall vergessen?
Es wäre schon lange notwendig gewesen, aber ich habe es doch nie getan. Meine letzten Angelegenheiten zu regeln. Bisher bin ich immer nur davon ausgegangen, dass das recht unkompliziert ist. Schließlich bin ich ein unkomplizierter Mensch in dieser Hinsicht. Bei kurzem Nachdenken merke ich, dass diese Unkompliziertheit sich unvermittelt in eine Belastung verwandeln könnte, wenn Menschen nach meinem Tod die Organsisation und die finanzielle Abwicklung meines Lebens übernehmen müssen, ohne Anhaltspunkte zu haben. Wie sie denn vorgehen können.
So ein Menschenleben besteht eben doch auch nach dem Tod noch aus Bürokratie, Finanzen, Organsisation. Mir wäre es lieber, mein Leben würde ausgehaucht. In Stille gedacht und danach leben alle ihr Leben weiter. Aber in der Realität ist es eben ein bisschen komplizierter.
Vielleicht könnt ihr mir ja auch noch schreiben, welche Dinge auf keinen Fall vergessen sollte zu erwähnen. Bisher habe ich die Themen Bestattung, Finanzen, Patientenverfügung und Benachrichtigungen im Todesfall dokumentiert.