Journal20260128

An trüben Tagen
lausche ich gespannt
ob ich sie höre

die Lebensmeldodie

An trüben Tagen
erfreut mich das rote Glimmen
der Herzenswärme

An trüben Tagen
führt das Ziel zum Weg
das Leben in den Tag

An trüben Tagen
strahlt das Herz
die Liebe aus

An trüben Tagen
heißt mein Glück

Geborgenheit

Journal20260127

Vor 16 Jahren zeigte mein Außenthermometer Minus 15 Grad an. Heute schmolz das Wintermärchenland dahin. Auch die großen Schneemenschen, die die Kinder aus unserem Gelände herzallerliebst zusammentrugen. Alles dahin geflossen. Vergangen wie die Lebenszeit, die hinter mir liegt.

Journal20260126

Winterzauber

Fahrräder mit Schnee bedeckt.

Vor einem Jahr kamen an diesem Tag schon die ersten Kraniche zurück. Hoch oben flogen sie und grüßten mich.

Journal20260125

Digitalisierung ist manchmal ein Segen und ermöglicht uns wunderbare Erlebnisse. Zum Beispiel kann ich heute am Geburtstag von Virginia Woolf in ihren persönlichen Fotoalben blättern. Kann mir alle Seiten mit ihren Flecken und Knicken ansehen. Visuell Eintauchen in das, was wichtig für sie war. Jedenfalls so wichtig, dass Sie es dokumentieren wollte. Die Fotos sind so laienhaft, sie berühren mich sehr.

Journal20260124

Hab heute wieder einen Geschenklink von den Krautreportern für euch.

In der Katastrophe retten dich Nachbarn, nicht die Dosensuppe
Wer will schon alleine im Bunker überleben? Nur Nazis und Milliardäre. Viel besser: solidarisches Preppen.

Journal20260123

„Eine Freundschaft zu halten ist ungefähr das Schwerste, was es auf der Welt gibt, sie bedarf einer sorgfältigen Pflege, sonst verblasst allmählich aller Glanz, alle Wärme vergeht, und was bleibt, ist Erinnerung. Im besten Fall. Selbst die kann verblassen.“

Ich habe auch gelebt – Briefe einer Freundschaft

Astrid Lindgren – Louise Hartung

Zum Einschlafen den Briefwechsel zweier Frauen im Ohr. Mit das Beste, das es gibt, um der Welt am nächsten Tag wieder mit Energie die Stirn bieten zu können. Als Kraftresource sind Freundschaften unterschätzt. Um so wichtiger ist es, sie zu pflegen. Das gilt auch für Schwesterschaften.

Journal20260122

Ein weiterer klarer, blauer Wintertag. Kalt. Durchdringend. Lebendig. Gibt Kraft zum Denken.

Journal20260121

Im „Hier und Jetzt“ zu leben wird überschätzt. Eindeutig. So verlockend sich dieser Vorschlag anhört, er eignet sich vor allem für den Sprüchekalender, den Notfalleinsatzplan und die Meditationsstunde zwischen Tür und Angel.

Wer ausschließlich im „Hier und Jetzt“ lebt, verpasst etwas. Stehen uns nicht tausend Traum- und Fantasiewelten offen? Ist es nicht ein leiser Luxus, sich ab und zu in Erinnerungen zu verlieren, ihnen nachzuspüren wie alten Wegen? Sich Traumschlösser zu bauen, sie mit Hingabe wieder abzureißen und aus dem gleichen Material neue zu errichten? Macht es nicht gerade deshalb so viel Freude, sich in der Literatur, im Museum oder im Konzert zeitweilig zu verlieren, um verändert zurückzukehren? Für einen Moment jemand anderes zu sein, oder mehr man selbst?

So viele Welten.

So viele Wirklichkeiten.

So viele Träume.

Und vielleicht besteht die Kunst nicht darin, immer im „Hier und Jetzt“ zu verharren, sondern darin, beweglich zu bleiben: verwurzelt und fließend zugleich.

Journal20260120

Der Himmel trägt winterblau. Die Luft ist klar und frostig. Januartage wie aus dem Bilderbuch. Im Morgengrauen laufe ich los zum Training. Rund um die Uhr finden sich im Sportcenter Menschen ein, um sich auf die seltsamsten Arten und Weisen zu bewegen. Wenn ich auf dem Crosstrainer stehe und mich im Studio umsehe, kommt mir der Gedanke: Was wäre, wenn eine spätere Generation in 1000 Jahren die Überreste von Fitnessstudios ausgraben würde? Ob sie die Geräte wohl für Kultgegenstände halten würden? So viele, an so vielen Orten in der Stadt. Was sie sich da wohl für Gedanken machen würden?

Wir machen uns ja immer Gedanken, über das was war und das was kommt. Allerdings sind wir erstaunlich unflexibel darin, immer gehen wir von dem aus, was wir kennen und mögen und bleiben da gerne.

Journal20260119

Der Tag steht niedrig und kalt über den Gärten.
Ich sehe ihn mehr, als dass ich ihn betrete.
Zwischen dem noch harten Boden die ersten Schneeglöckchen –
als hätten sie sich verabredet, heute aufzutauchen,
unauffällig, aber entschlossen.
Daneben die Triebe der Krokusse,
grüne Fragezeichen im Frost.
Sie drängen nicht.
Sie wissen offenbar, dass Zeit auf ihrer Seite ist.
Ich selbst bin verschnupft.
Der Atem kratzt, der Kopf ist wattig,
alles klingt gedämpft,
als läge ein Tuch über der Welt.
Vielleicht macht gerade das die Zeichen deutlicher.
Die Sonne kommt nur in kurzen Sätzen.
Ein Aufhellen,
ein Blinken auf den kahlen Zweigen,
dann zieht sie sich wieder zurück,
als müsse sie prüfen, ob man ihr traut.
Heute einen medizinischen Abschluss gefunden.
Kein Paukenschlag.
Eher ein leises Abstellen
ein Satz, der nicht mehr wiederholt werden muss.
Der Körper merkt es früher als der Kopf:
ein kleines Nachlassen,
eine andere Müdigkeit,
nicht ganz schwer,
eher offen.
Ich gehe langsam durch diesen Tag
und nehme mit, was er anbietet:
Kälte, die wach hält.
Pflanzen, die nicht fragen.
Ein Ende, das sich nicht groß macht.
Vielleicht ist das genug.
Vielleicht ist genau das der Anfang.

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